Drei Kombinationen gibt es für Ehepaare bei der Lohnsteuerklasse, und fast jedes frisch verheiratete Paar landet ungefragt in genau einer davon, sobald das Standesamt die Papiere durchgereicht hat. Wer heiratet, wird von Amts wegen auf Steuerklasse 4 und 4 eingestuft, ohne dass irgendjemand nachfragt, ob das zur eigenen Gehaltsstruktur passt. Genau diese automatische Einstufung ist der Grund, warum sich ein Steuerklassenwechsel für so viele Arbeitnehmer lohnen würde - und warum ich mir zwei ganz unterschiedliche Paar-Konstellationen genauer angesehen habe, bevor ich meinen eigenen Antrag über Elster losgeschickt habe. Lohnsteuer-Optimierung heißt für Arbeitnehmer eben nicht nur, im Herbst Belege zu sammeln, sondern auch einmal im Jahr die eigene Steuerklasse zu hinterfragen.
Bei meinem Mann und mir war es die Kombination aus Steuerklasse 3 und 5, weil er das höhere Gehalt nach Hause bringt - eine Entscheidung, die eigentlich niemand aktiv getroffen hat, sie passierte einfach mit der Anmeldung beim Finanzamt. Unser Netto wirkte damit monatlich üppiger als bei Klasse 4 und 4, aber das Gesamtbild stimmte nicht, sobald ich beide Gehaltszettel nebeneinanderlegte und nachrechnete.
Welche Steuerklassen-Kombination passt zu welchem Gehaltsgefüge?
Zwei Paare, zwei völlig unterschiedliche Antworten - das war die Erkenntnis, die sich bei mir festsetzte, nachdem ich mit einer Lohnsteuerklassen-Übersicht und einem Taschenrechner am Tisch saß. Verdienen beide Partner ungefähr gleich viel, bringt die Kombination 4 und 4 - notfalls mit dem sogenannten Faktorverfahren - fast immer das gerechtere Ergebnis, weil jeder Steuern entsprechend seinem eigenen Anteil am Haushaltseinkommen zahlt. Liegt zwischen den beiden Gehältern dagegen eine große Lücke, kann 3 und 5 unterjährig tatsächlich mehr Netto bringen, allerdings nur auf dem Papier, das mir monatlich ins Haus flattert.
Genau hier hätte ich mir früher eine Warnung gewünscht: Wessen Partner in Klasse 3 eine Gehaltserhöhung bekommt, dem zieht der Arbeitgeber unterjährig oft zu wenig Lohnsteuer ab, weil die Klasse pauschal rechnet und Veränderungen nicht sofort erfasst. Am Jahresende wartet dann die Pflichtveranlagung, und wer sein Geld längst verplant hat, erlebt bei der Nachzahlung eine böse Überraschung.
Die Kombination Drei und Fünf sieht großzügig aus, bis die Steuererklärung kommt
Meine Freundin Felicitas aus dem Sportverein rief genau in dieser Zeit an, mitten am Nachmittag, während ich über den Klagesmarkt lief und eigentlich nur schnell etwas erledigen wollte. Sie ruft grundsätzlich an, statt eine Nachricht zu schreiben, und so stand ich zwischen den Marktständen und erklärte ihr am Telefon, warum ihr Partner mit der höheren Steuerklasse nicht automatisch der große Gewinner ist. Für ihr Paar mit ähnlichem Einkommen ergab die Rechnung ziemlich eindeutig: 4 und 4 mit Faktor, nicht 3 und 5.
Das Faktorverfahren gibt es schon länger, aber es wird erstaunlich selten gewählt, wahrscheinlich weil es komplizierter klingt als die einfache Wahl zwischen einer hohen und einer niedrigen Klasse. Dabei berechnet das Finanzamt einen Faktor, der kleiner als 1 ist, und zieht damit bei beiden Partnern ungefähr so viel Lohnsteuer ab, wie am Jahresende tatsächlich fällig wird. Nachzahlungen werden dadurch nicht unmöglich, aber deutlich unwahrscheinlicher als bei der Kombination 3 und 5.
Bevor ich das verstanden hatte, verließ ich mich einige Monate auf Tipps aus einer Facebook-Gruppe, in der jede Nutzerin etwas anderes behauptete. Eine schwor auf 3 und 5 für jedes verheiratete Paar, eine andere riet pauschal von jedem Wechsel ab, und am Ende hatte ich mehr Widersprüche als Antworten gesammelt. Erst der unverbindliche Rechner direkt in Elster hat mir gezeigt, welche Zahlen für unsere eigene Situation überhaupt stimmen, und nicht für die einer fremden Kommentarspalte.
Der Antrag auf Steuerklassenwechsel in Elster
Über das Elster-Zertifikat einzuloggen dauert inzwischen nur noch wenige Minuten, wenn man das Login vorher einmal eingerichtet hat. Der eigentliche Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten liegt gut sichtbar im Formularbereich, und beide Partner müssen unterschreiben, bevor er rausgeht. Wer den Wechsel noch für das laufende Jahr wirksam haben will, muss den Antrag bis zum 30. November stellen, auch wenn sich die volle Wirkung meist erst in der folgenden Abrechnung zeigt - das ist übrigens ein anderes Datum als die reguläre Abgabefrist für die Steuererklärung selbst, die erst im Folgejahr fällig wird. Wer sich zusätzlich fragt, ob Zusammenveranlagung oder Einzelveranlagung sinnvoller ist, trifft damit eine andere Entscheidung als bei der Steuerklasse - das eine betrifft das monatliche Netto, das andere die Steuererklärung am Jahresende.
Am Wochenende sitze ich sowieso über alten Belegen, weil Werbungskosten sich nicht von selbst sortieren, und dabei merke ich jedes Mal, wie unterschiedlich beide Themen eigentlich sind. Der Textmarker quietscht leicht, wenn ich über einen glänzenden Kassenbon fahre, um eine Zahl für die Steuererklärung zu markieren - aber das hat mit der Steuerklasse selbst nichts zu tun, das betrifft nur, was am Ende der Erklärung wieder zurückkommt.
Ohne die letzten Gehaltsabrechnungen geht beim Formular nichts
Ohne die Bruttowerte der letzten Monate parat zu haben, komme ich im Formular keinen Schritt weiter, das habe ich beim ersten Versuch schmerzhaft gemerkt. Die Lohnsteuerbescheinigung bei Elster korrekt einzutragen hilft dabei ungemein, weil dort ohnehin schon die Zahlen stehen, die der Antrag später abfragt. Wer sich vorher einen Ordner mit den aktuellen Abrechnungen beider Partner anlegt, sitzt beim eigentlichen Wechsel höchstens fünfzehn Minuten am Formular.
Für andere jährliche Posten wie die Nebenkostenabrechnung in der Steuererklärung brauche ich inzwischen keine Anleitung mehr, dabei hatte ich davor genauso viel Respekt wie vor dem Steuerklassenwechsel selbst. Genauso war es mit den Unfallkosten auf dem Weg zur Arbeit - ein Thema, das ich jahrelang gemieden habe, weil ich das Formular für zu kompliziert hielt. Der Steuerklassenwechsel gehört für mich mittlerweile in dieselbe Kategorie: einmal verstanden, für immer entspannter.
Für welches Paar lohnt sich der Wechsel wirklich?
Die ehrliche Antwort bleibt uneindeutig, weil sie von der eigenen Gehaltsstruktur abhängt und nicht von einer pauschalen Empfehlung aus dem Internet. Verdient ihr beide ungefähr gleich viel oder rechnet ihr mit Veränderungen bei Elterngeld, Kurzarbeit oder einem Jobwechsel, spricht vieles für 4 und 4 mit Faktor, weil dort selten eine böse Nachzahlung wartet. Ist die Gehaltslücke dagegen groß und bleibt sie über Jahre stabil, kann 3 und 5 unterjährig mehr Netto bringen - vorausgesetzt, ihr legt bewusst Geld für die Steuererklärung zur Seite, statt es wie selbstverständlich zu verplanen.
Meinen eigenen Antrag habe ich schließlich über ELSTER abgeschickt, kurz vor 22 Uhr an einem ganz gewöhnlichen Wochentag, und keine zwei Minuten später blinkte die Eingangsbestätigung im Postfach - schneller, als ich der Erleichterung überhaupt trauen konnte. Kein Antrag ändert das Gehalt sofort, aber er ändert, wie viel davon monatlich tatsächlich ankommt, und das allein war für mich Grund genug, die Entscheidung nicht länger der automatischen Einstufung vom Standesamt zu überlassen.
Was für unser Paar funktioniert, muss für ein anderes nicht gelten, weil jede Gehaltsstruktur eine eigene Rechnung verlangt. Bei größeren Summen oder komplizierten Fällen hole ich mir inzwischen lieber eine zweite Meinung, statt mich allein auf eine Online-Recherche zu verlassen.