Quittel

Pflege-Pauschbetrag bei Elster eintragen: Pflegekosten für Angehörige absetzen

600 Euro zieht mir das Finanzamt von der Steuer ab, einfach weil ich mich um meine Mutter kümmere. Kein Nachweis für Fahrten, kein Beleg für Putzmittel, nur ein Häkchen bei den außergewöhnlichen Belastungen in meiner Steuererklärung. Als ich das zum ersten Mal in meinem Tagebuch notiert habe, klang mir das fast zu einfach. Meine Mutter hat Pflegegrad 2, ich fahre regelmäßig zu ihr, kaufe für sie an der Markthalle in Hannover ein und putze, wenn ihre Knie wieder streiken. Dass genau das einen eigenen Pflege-Pauschbetrag bei Elster gibt, wusste ich bis vor Kurzem nicht – und ich arbeite sogar bei einer Versicherung.

Der Pflege-Pauschbetrag versteckt sich in der Anlage Außergewöhnliche Belastungen

Gefunden habe ich das Feld nicht beim ersten Versuch. In meiner Elster-Übersicht taucht die Anlage Außergewöhnliche Belastungen nämlich nicht automatisch auf, man muss sie sich erst selbst dazuholen, bevor der Pflege-Pauschbetrag überhaupt sichtbar wird. Dort landet grundsätzlich alles, was man nicht freiwillig zahlt, von Krankheitskosten bis zur Pflege von Angehörigen – mehr musste ich darüber für meinen Fall gar nicht wissen.

Vor meiner allerersten Steuererklärung saß ich komplett ratlos vor dem ELSTER-Portal und hatte keine Ahnung, wo ich überhaupt anfangen sollte. Inzwischen weiß ich, wonach ich suchen muss: Name und Steuer-ID meiner Mutter, der Ort der Pflege – bei ihr zu Hause – und der Pflegegrad, der auf dem Bescheid der Pflegekasse steht. Mehr wollte das Formular am Ende gar nicht von mir.

Nahaufnahme des Elster-Formulars für außergewöhnliche Belastungen mit dem Feld für den Pflege-Pauschbetrag

Brauche ich für jede Fahrt und jede Putzstunde eine Quittung?

Nein, und genau das hat mich überrascht. Ich hatte mir schon vorgestellt, wie ich Wochen damit verbringe, Tankbelege und Kassenzettel für Putzmittel zu sortieren. Der Pflege-Pauschbetrag funktioniert aber als feste Summe, unabhängig davon, wie viel ich im Einzelnen wirklich ausgegeben habe.

Letzten Donnerstag hat mich beim Treppenhausputzen eine Nachbarin aus dem Haus gefragt, ob sich der ganze Aufwand für ihre eigene Mutter überhaupt lohnt – sie macht selbst Keramikkurse im Atelier Südstadt und hat mit dem Thema Pflege bisher nichts zu tun gehabt. Die Frage kenne ich gut: Bevor ich mich eingearbeitet hatte, hätte ich wahrscheinlich dasselbe gefragt.

Wichtig ist nur eine Bedingung, die ich fast übersehen hätte: Wer das Pflegegeld der Kasse selbst behält, verliert den Anspruch auf den Pauschbetrag. Ich leite das Geld meiner Mutter komplett an sie weiter, für Miete und Medikamente, also war das bei mir kein Problem. Wer sich da unsicher ist, sollte lieber einmal beim Lohnsteuerhilfeverein nachfragen, bevor er falsch ankreuzt.

600, 1.100 oder 1.800 Euro — je nach Pflegegrad

Seit diesem Frühjahr stehen die drei Stufen bei mir im Tagebuch sauber sortiert, nachdem ich sie am Anfang ständig verwechselt hatte. Bei Pflegegrad 2 gibt es einen Pauschbetrag von 600 Euro im Jahr, bei Pflegegrad 3 steigt die Summe auf 1.100 Euro, und bei Pflegegrad 4, Pflegegrad 5 oder dem Merkzeichen H sind es 1.800 Euro. Für meine Mutter mit Pflegegrad 2 war damit klar, welches Häkchen ich setzen musste.

Besonders gut gefällt mir, dass der Betrag als Jahresbetrag zählt. Selbst wenn die Pflege erst im Dezember angefangen hätte, stünde mir die volle Summe zu, egal wie spät im Jahr es losging. Falls die Pauschale im eigenen Fall nicht reicht, bin ich später noch über das Thema Unterhalt an Angehörige absetzen gestolpert, aber für den Anfang war der Pauschbetrag für mich der einfachere Einstieg.

Kaffeetasse neben Pflegedokumenten und Belegen zur Vorbereitung der Steuererklärung für pflegende Angehörige

Pauschale gegen Einzelnachweis

Vor ein paar Wochen habe ich trotzdem die alten Tankbelege und die Rechnungen vom Pflegedienst durchsucht, die ich anteilig mitbezahlt habe. Mit einem Leuchtstift bin ich über die glänzenden Kassenzettel gefahren, und jedes Mal, wenn die Spitze über die beschichtete Oberfläche quietschte, habe ich mich gefragt, ob sich das ganze Sortieren am Ende überhaupt lohnt.

Der Pflege-Pauschbetrag ist nämlich nicht automatisch die beste Wahl, auch wenn viele Ratgeber das so klingen lassen. Wer sehr viel fährt oder größere Umbauten in der Wohnung bezahlt hat, kommt mit den tatsächlichen Kosten manchmal über die 600 oder 1.100 Euro hinaus. Nur muss man dafür erst die sogenannte zumutbare Belastung überschreiten, und wie hoch die ausfällt, hängt vom eigenen Einkommen ab – ein Rechenweg, den ich mir für einen anderen Tagebucheintrag aufgehoben habe.

Einen Steuerberater hatte ich übrigens früher schon einmal bezahlt, in einem ganz anderen Jahr, und am Ende hat er kaum mehr herausgeholt, als er selbst gekostet hat. Seitdem traue ich mir solche Entscheidungen lieber selbst zu, auch wenn es manchmal länger dauert.

Ich habe mich dieses Mal trotzdem für die Pauschale entschieden, einfach weil sie für meine Situation stressfreier war. Wer aber wirklich hohe Ausgaben hat, sollte lieber rechnen, statt blind die Pauschale anzukreuzen. Mein Lohnsteuerermäßigungsantrag liegt für dieses Jahr übrigens noch in der Schublade, aber das ist ein anderes Thema für ein anderes Wochenende.

Ein Häkchen verändert den ganzen Familienalltag

In der achten Woche des letzten Jahres kam mein Steuerbescheid mit der Post. Der Briefträger hat geklingelt, ich habe den Umschlag gleich im Flur aufgerissen und die Endsumme dreimal gelesen, weil ich sie beim ersten Blick nicht geglaubt habe: über 400 Euro Rückerstattung.

Den Pflege-Pauschbetrag einzutragen hat mich am Ende ungefähr eine Stunde gekostet, Kaffee und Fluchen über den Kartenleser schon eingerechnet. Verglichen mit meinem ersten Versuch, als ich sogar das Arbeitslosengeld in der Steuererklärung falsch eingetragen hatte, ist das heute ein echter Fortschritt.

Wer noch zögert: Ihr braucht dafür kein Studium, nur den Bescheid der Pflegekasse und ein bisschen Geduld beim Suchen in Elster. Was bei mir tatsächlich hilft, ist die Steuer-ID meiner Mutter griffbereit zu haben, bevor ich überhaupt den Laptop aufklappe – das hätte mir beim ersten Mal eine Menge Nerven gespart. Bei komplizierteren Fällen, etwa wenn mehrere Geschwister sich die Pflege teilen, würde ich trotzdem einmal mit einem Lohnsteuerhilfeverein sprechen, bevor jemand falsch einträgt.

Hinweis: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

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